Roadtrip durch Südisland

Bei unserem längsten Ausflug auf dieser Reise wollten wir die Highlights von Südisland erkunden. Das am weitesten von unserem Ausgangsort Reykjavik gelegene Ziel war dabei die Gletscherlagune Jökulsárlón. Aber auch auf dem Weg dahin hatten wir äußerst sehenswerte Stationen auf unserem Plan. Die Länge der gefahrenen Strecke betrug insgesamt 740 km (je 370 hin und zurück). Weil das zu viel für einen Tag ist, hatten wir in der Nähe der Lagune auch noch ein Hotel als Unterkunft gebucht.

Unser erster Stopp auf dem Weg war der Wasserfall Seljalandsfoss. Wir haben viele Wasserfälle auf Island besucht und jeder hat so seine eigenen Besonderheiten. Den Seljalandsfoss zeichnet aus, dass er an einer ausgehölten Steilwand herunterfällt, sodass man hinter dem Wasserfall entlanggehen und ihn von allen Seiten bestaunen kann. Vom ersten Wasserfall aus verläuft auch ein Weg entlang der Felswand, auf dem noch weitere kleinere Fälle besichtigt werden können. Von dort aus sieht man übrigens auch die vorgelagerten felsigen Vestmannaeyjar-Inseln am Horizont.

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Danach ging die Fahrt weiter, aber nur ein kurzes Stück, denn in der Nähe befindet sich noch ein weiterer spektakulärer Wasserfall, der Skogafoss. Wir hatten Glück, dass sich die Sonne gerade ihren Weg durch die Wolkendecke gebahnt hatte. Denn so wurde der Wasserfall noch von einem filigranen Regenbogen geschmückt, was den Anblick weiter perfektioniert hat. Man konnte neben dem Wasserfall eine Treppe hochlaufen und die Landschaft so auch von oben bestaunen.

Das nächste Etappenziel war der Black Sand Beach, ein schwarzer Strand mit sehr schönem Ausblick, weil sich am östlichen Ende des Strands steile Klippen mit schönen Vulkansteinhöhlen und Felsen im Wasser befinden. Westlich sieht man die Halbinsel Dyrhólaey, auf der man angeblich auch Papageientaucher beobachten kann. Das wäre eine Option für unsere nächste Tour um die Insel.

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Auf dem Weg befindet sich noch der Canyon „Fjadrargljufur“ (wer kann es aussprechen?). Bei diesem Ort handelt es sich meiner Meinung nach um einen der schönsten, die wir auf unserer gesamten Tour gesehen haben. Ein kleiner Wanderweg führt am Rande der Schlucht vorbei und präsentiert beeindruckende Aussichten: Das türkisblaue Wasser im Fluss, zahlreiche Stromschnellen und kleinere Wasserfälle zwischen den zerklüfteten Steilwänden des Canyons und im Hintergrund die weite Landschaft mit den grünen Wiesen.

Für die Wanderung oberhalb der Schlucht benötigt man ca. 2 Stunden hin und zurück Wir sind nicht ganz bis zum Ende des Canyons gegangen, aber bis zum besten Aussichtspunkt. Angeblich kann man auch unten im Canyon wandern, also im Flussbett. Das hängt aber wohl stark vom Wasserstand des Flusses ab, bei uns sah es eigentlich nicht so aus als ob das gehen würde. Aber vielleicht braucht man auch einfach nur gute Gummistiefel.

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Danach kamen wir zu unserer Unterkunft: Dem Fosshotel Glacier Lagoon. Es liegt nicht direkt an der Gletscherlagune sondern eine ca. 20 minütige Autofahrt entfernt, in herrlich abgeschiedener Landschaft am Fuße eines höheren Berges. Das Hotel ist noch ziemlich neu, bin mir nicht sicher ob es überhaupt schon komplett fertig gebaut ist. Auf jeden Fall ist es sehr stylisch und modern eingerichtet. Etwas schade war, das der Ausblick von unserem Zimmer aus nur den Parkplatz umfasste, nicht die tolle Landschaft. Das Abendessen war auf jeden Fall ausgezeichnet, aber auch ziemlich kostspielig.

Am nächsten Morgen sind wir gestärkt durch das sehr gute Frühstücksbuffet Richtung Gletscherlagune aufgebrochen. Schon auf dem Parkplatz vor dem kleinen Cafehäuschen am vorderen Rand der Lagune sieht man die Außergewöhnlichkeit dieses Ortes: In der Strömung des aus der Lagune ein- und ausfließenden Wassers treiben Eisberge in verschiedensten Größen. Dazwischen kann man jede Menge Robben schwimmen und Seevögel fliegen sehen. Das Eis hat bizarre Formen und reflektiert das Licht in einer großen Bandbreite an Blau- und Weißtönen.

Wir hatten eine Zodiac (Schlauchboot) Tour durch die Lagune gebucht, also gingen wir zum Treffpunkt. Dort angekommen wurden wir mit Schwimmwesten und unfassbar dicken Marinejacken ausgestattet. Die waren jetzt nicht unbedingt schick, man sah aus wie ein übergewichtiger norwegischer Hochseefischer. Es war aber der Situation angemessen, immerhin wird es in so einer Gletscherlagune schon ziemlich kalt, wir hatten ca. 5 Grad im August. Zusätzlich hatten wir mit nervigem Nieselregen zu kämpfen, was die Sache noch etwas ungemütlicher machte.

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Aber durch die erwähnte Ausrüstung ließ es sich aushalten, also ging es ab zu den Booten. In teilweise gehobenem Tempo brachte uns unser Fahrer durch die mit Eisbergen geschmückte Lagune. Festhalten ist ratsam, immerhin will ja niemand im eiskalten Wasser landen. Sollte man meinen. Lustigerweise haben wir am Rand der Lagune aber tatsächlich jemanden baden gesehen. Vielleicht eine verlorene Wette? Man weiß es nicht.

Jedenfalls konnte man auf der Fahrt noch viel mehr und viel größere Eisberge sehen. Wir wurden bis in die Nähe der Gletscherwand gebracht, wo hin und wieder ein Stück Gletscher abbricht und dann als Eisberg weiterlebt. Wir haben keinen Abbruch gesehen, aber man hört ab und zu Knackgeräusche von der Eiswand. Es war ein beeindruckendes Erlebnis. Der Gletscher schrumpft ca. 100 Meter pro Jahr und so wird die Lagune immer größer.

Unser Ausflug mit dem Boot dauerte ungefähr eine Stunde. Alternativ gibt es noch eine Tour mit einem Amphibienbus, die etwas günstiger, aber auch kürzer ist und nicht so weit in die Lagune hineinführt. Zurück an Land angekommen ging es für uns auf den Heimweg, denn das war die letzte Station unserer Reise nach Island.

Über den Autor

Martin

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“
– Alexander von Humboldt